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Poetry


Wettervorhersage – Es wird ein kalter Winter

Anfang September fragte der Häuptling eines Indianer-Stammes die Ältesten, ob der bevorstehende Winter mild oder kalt werden würde. Der Ältestenrat fragte den Medizinmann, aber der konnte aufgrund der Klimaveränderungen die Zeichen in der Natur  am Grossen See nicht mehr deuten.

So hatte keiner eine Idee, wie man das Wetter für den kommenden Winter vorhersagen könne. So beschloss der Häuptling, sich einer modernen Methode zu bedienen und rief den Nationalen Wetterdienst an.

„Ja, es wird ein kalter Winter werden“, sagte der Meteorologe am Telefon. Nach dieser Auskunft ging der Häuptling zurück zu seinem Stamm und rief die Männer zusammen, um Brennholz zu sammeln.

Etwa zwei Wochen später rief der Häuptling wieder den Wetterdienst an, um zu erfragen, ob es neue Wetternachrichten gäbe. „Bleibt es bei Ihrer Vorhersage, es werde einen kalten Winter geben?“ fragte er. „Ja, sehr kalt“, antwortete der Wettermann.

Nach dieser kurzen Unterhaltung ging der Häuptling zurück zu seinem Stamm und wies seine Leute an, so viel Holz, wie sie nur finden könnten, zu sammeln.

Etwa einen Monat später rief der Häuptling abermals beim Wetterdienst an, um nach dem Winterwetter zu fragen. „Ja“, so lautete die Auskunft, „es wird einer der kältesten Winter werden. „Wie können Sie da so sicher sein?“ fragte der Häuptling.

Der Wettermann am Telefon antwortete prompt: „Weil die Indianer am Grossen See wie verrückt Holz sammeln.“

© Patty Patrick



Küsse unterm Mistelzweig

In USA ist es Brauch, dass zu Weihnachten Mistelzweige über die Eingangstür gehängt werden. Und derjenige, der unter dem Mistelzweig geküsst wird, wird im nächsten Jahr seine Liebe des Lebens finden oder sogar heiraten.

Jennifer, ein 18-jähriges hübsches Mädchen, ging eine Woche vor Weihnachten auf den Markt, um dort Schleifen und Girlanden für den Weihnachtsbaum zu kaufen. Es dauerte eine Weile, bis sie das fand, was sie suchte. So wandte sie sich an den jungen Verkäufer und fragte ihn: „Was kosten diese Girlanden?“

Der Verkäufer deutete auf den Mistelzweig, der über dem Stand hing und antwortete: „Wir haben heute ein Sonderangebot: pro Meter einen Kuss.“ „Das ist ja wundervoll,“ sagte Jennifer, „dann nehme ich zwölf Meter.“

Das Gesicht des jungen Verkäufers glühte förmlich vor Erwartung und in freudiger Erregung. Er maß die zwölf Meter ab, verpackte sie liebevoll und gab Jennifer das Päckchen.

Jennifer drehte sich um, wandte sich einem faltigen Greis zu, der auf dem Weihnachtsmarkt herumschlich und sagte: „Mein Großvater wird die Rechnung begleichen.“

© Patty Patrick




Walmuss und Kürbis


An einem heißen Sommertag saß Peter unter einem Walnussbaum und genoss das Nichtstun. Nach einiger Zeit betrachtete er interessiert seine Umgebung. Er sah riesige Kürbisse, die an dünnen Stielen wuchsen. Und er sah zum Baum hinauf, an dessen mächtigen Zweigen kleine Walnüsse hingen.

„Manchmal kann ich Gottes Wege nicht nachvollziehen“, murmelte er. „Da sehe ich, wie er so winzige Walnüsse an einem so mächtigen Baum wachsen lässt. Und riesige Kürbisse hängen an so dünnen Stielen.“

In diesem Moment fiel eine Walnuss herunter und traf ihn hart mitten auf seinen Glatzkopf. Peter sprang auf und erheb seine Hände gen Himmel zum Gebet: „Oh Herr, vergib mir, dass ich deine Wege infrage stelle. Du bist voller Weisheit. Nicht auszudenken, was mir passiert wäre, würden Kürbisse auf Bäumen wachsen.“

© Patty Patrick



Ein frohes Neues Jahr an die Bank

Eine wahre Geschichte:
Brief einer 86-Jährigen an den Geschäftsführer ihrer Bank.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen diesen Brief, um Ihnen dafür zu danken, dass Sie die Einlösung meines Schecks, mit dem ich die letzte Rechnung des Klempners bezahlen wollte, verweigert haben.

Nach meiner Rechnung lagen genau drei Nano-Sekunden zwischen der Vorlage des Schecks bei Ihnen und dem Eingang der Überweisung auf mein Konto, um den erforderlichen Betrag auszugleichen.

Bei dieser Gelegenheit muss ich darauf hinweisen, dass Monat für Monat meine gesamte Pension auf Ihre Bank überwiesen wird und das, ich gebe es zu, ist erst seit gerade mal acht Jahren so.

Ich empfehle Ihnen, diese kurze Gelegenheit zu nutzen und mein Konto mit 30 Euro zu belasten – als Strafe dafür, dass ich Ihnen und Ihrer Bank so viele Unannehmlichkeiten bereitet habe.

Ihre Vorgehensweise bezüglich meines Schecks hat eine tiefe Dankbarkeit in mir ausgelöst und dazu geführt, dass ich alle meine finanziellen Regelungen neu überdacht habe. Ich habe bemerkt, obwohl ich Ihre Telefonanrufe und Briefe persönlich beantworte, dass, wenn ich mit Ihnen Verbindung aufnehmen will, Sie mich mit unpersönlichen, überteuerten, vorher aufgezeichneten, automatischen Nachrichten abspeisen von konturen- und gesichtslosen Wesen, so wie es inzwischen dem Bild Ihrer Bank entspricht.

Von heute an werde ich, genau wie Sie, nur noch mit Personen aus Fleisch und Blut Umgang pflegen.

Die monatlichen Zahlungen meiner Hypothek, der Bankzinsen und steuerlichen Abgaben werden nicht mehr automatisch von meinem Konto abgebucht. Sondern, ich werde Ihnen dafür jeweils einen Scheck schicken, persönlich und vertraulich adressiert an einen Angestellten Ihrer Bank, den Sie für den Empfang bevollmächtigen müssen.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass das Postgeheimnis gesetzlich geregelt ist und das Öffnen eines solchen Umschlages von einer anderen Person als von Ihrem Bevollmächtigten eine Straftat, nämlich Verletzung des Postgeheimnisses, darstellt.

Beiliegend reiche ich Ihnen einen Antrag, den der von Ihnen ernannte Bevollmächtigte lückenlos auszufüllen hat. Ich bedaure, dass dieser Antrag aus acht Seiten besteht, aber ich bitte um Verständnis, denn schließlich kenne ich Ihren Bevollmächtigten genauso wenig wie Ihre Bank mich. Da gibt es leider keine andere Möglichkeit.

Denken Sie daran, dass dem Antrag Ihres Bevollmächtigten ein Gesundheitszeugnis mit notarieller Beglaubigung beizufügen ist, zusammen mit allen beglaubigten Unterlagen, aus denen die finanzielle Situation Ihres Angestellten zu ersehen ist (Einkommen, Schulden, Vermögen und Verpflichtungen).

In Kürze, sobald ich dazu Zeit finde, werde ich Ihrem Bevollmächtigten eine PIN-Nummer zuweisen, die er oder sie zu nennen hat, wenn er oder sie mit mir in Kontakt treten möchte.
Ich bin untröstlich, dass der Code aus mindestens 28 Zeichen besteht, aber das ist heute gängige Praxis, und ich habe mich an Ihren Tastenkombinationen orientiert, die ich auf meinem Telefon drücken muss, um meinen Kontostand bei Ihrer Hotline zu ermitteln.

Ein Sprichwort besagt, Nachahmung sei die ehrlichste Form des Lobes.

Lassen Sie mich abschließend noch auf generelle Regelungen hinweisen.

Wenn Sie mich anrufen, drücken Sie bitte die folgenden Tasten: Drücken Sie sofort nach dem Wählen meiner Nummer die Sterntaste für die Sprache DEUTSCH und dann

Nr. 1 – um einen Termin mit mir zu vereinbaren
Nr. 2 – um wegen einer fehlenden Zahlung nachzufragen
Nr. 3 – um Ihren Anruf in mein Wohnzimmer umzuleiten, falls ich mich dort aufhalte
Nr. 4 – um Ihren Anruf in mein Schlafzimmer umzuleiten, falls ich gerade schlafe
Nr. 5 – um Ihren Anruf auf meine Toilette umzuleiten, falls ich gerade einem dringenden natürlichen Bedürfnis nachgehe
Nr. 6 – um Ihren Anruf auf mein Handy umzuleiten, falls ich nicht zu Hause sein sollte
Nr. 7 – um Ihren Anruf auf meinem Computer zu speichern, dafür wird ein Passwort benötigt

Das Passwort werde ich Ihnen später mitteilen, um es Ihrem Bevollmächtigten, wie eingangs erwähnt, zur Kenntnis zu geben

Nr. 8 – um zu dem Menue zurückzugelangen, wo weitere Optionen abgefragt werden können
Nr. 9 – um eine Anfrage oder eine Beschwerde an mich zu richten

Ihr Anruf wird dann gehalten bis zu dem Moment, an dem sich mein automatischer Antwortservice darum kümmern kann

Nr. 10 – erneut drücken, um die Sprache DEUTSCH beizubehalten

Während der eventuellen längeren Wartezeiten werden Sie mit angenehmer, motivierender Musik unterhalten.

Zu meinem Bedauern, aber um Ihrem Beispiel zu folgen, muss ich ein Unternehmen mit der Einspeisung der Musik beauftragen, was für Sie mit Kosten verbunden sein kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein glückliches, wenn auch weniger profitables Neues Jahr.

Ihre Ihnen ergebene Kundin
gez. Unterschrift

Nachbemerkung. Und vergessen Sie das nie: Verärgern Sie ältere Leute nicht. Wir sind nicht begeistert davon, alt zu sein. Und deshalb braucht es nicht viel und es ist nicht schwer, uns auf die Palme zu bringen, so dass wir ausrasten.“

© Patty Patrick
2011




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